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Manchmal ist äußerlich alles ruhig.
Der Alltag läuft, niemand schreit, keine Katastrophe in Sicht.
Und doch fühlt es sich im Inneren an,
als würde etwas in dir ständig auf glühenden Kohlen stehen.

So viele Frauen kennen dieses subtile „Zu-viel“.
Eine ständige innere Anspannung,
die schwer zu greifen ist
und doch das ganze System durchzieht.

Erschöpfung, Gereiztheit, Rückzug –
nicht, weil du schwach bist.
Sondern, weil dein Nervensystem klug ist.

Weil es gelernt hat, wachsam zu sein.
Weil es viel trägt –
und oft lange allein war mit dieser Last.

Ganz vereinfacht gesagt:
Dein Nervensystem ist das, was in dir für Sicherheit oder Alarm sorgt –
bevor du überhaupt bewusst darüber nachdenken kannst.

Es ist uralt. Instinktiv.
Und es entscheidet in Bruchteilen von Sekunden, ob du dich entspannen kannst –
oder ob du dich schützen musst.

Dabei unterscheidet man vier typische Reaktionen:

  • Flucht – du willst einfach nur raus, weg, dich entziehen
  • Kampf – du wirst laut, innerlich hart, angespannt
  • Erstarrung – du frierst ein, bist nicht mehr ganz da
  • Fawning (Gefallen-Wollen) – du versuchst es allen recht zu machen, bist überangepasst

Diese Reaktionen sind keine Schwäche.
Sie sind Anpassungsleistungen deines Nervensystems.
Und sie sind meistens nicht neu – sondern uralt.

Gestern haben wir darüber gesprochen, dass du nicht jeden Gedanken glauben musst.
Heute gilt etwas Ähnliches für das, was du fühlst
oder vielmehr: für das, was sich wie ein Gefühl anfühlt,
aber in Wahrheit eine blitzschnelle Reaktion deines Nervensystems ist.

Wenn du plötzlich nervös wirst, dich innerlich zurückziehst,
unvermittelt explodierst oder wie erstarrt bist –
wenn du das Gefühl hast, zu viel zu fühlen,
aber gleichzeitig gar nicht genau weißt, was eigentlich –
dann bist du wahrscheinlich nicht mitten in einem echten Gefühl.

Du bist in einer Reaktion.
Ein Aufblitzen deines Nervensystems.
Eine Welle aus früheren Tagen,
die sich meldet, wenn etwas dich unbewusst erinnert.

Echte Gefühle – wie Freude, Angst, Trauer, Schmerz oder Ekel –
sind wie klare Seen.
Man kann hineintauchen, sie verändern sich, wenn man sie durchfühlt.
Aber das, was dich überrollt, wenn dein System Schutz aktiviert,
ist kein klarer See. Es ist ein aufgewühltes Meer,
das dich für einen Moment mitreißt.

Und es ist okay, das zu wissen.

„Das ist kein Fehler.
Es ist mein Körper, der mich schützen will.
Und ich darf lernen, das zu erkennen –
und mir auf neue Weise Sicherheit zu schenken.“

📍 „Warum du in der einen Situation souverän reagierst –
und in der anderen plötzlich ‚wie gelähmt‘ bist:
Das liegt am Toleranzfenster.“

Viele von uns haben gelernt, dass sie „nicht so empfindlich“ sein sollen.
Dass man „funktionieren“ muss.
Aber innerer Frieden entsteht nicht durch Wegdrücken.

Er entsteht durch Verstehen.
Durch Verbindung.
Durch den Mut, deine Reaktionen zu sehen – und dich nicht mehr dafür zu verurteilen.


👉 Spür mal kurz in deinen Körper hinein:
Wie geht es dir gerade – eher ruhig, eher angespannt oder eher „weg“?

👉 Gibt es eine kleine Sache, die du heute tun könntest, um wieder mehr bei dir anzukommen?
Etwas, das dich beruhigt, erdet oder dir einfach gut tut?

👉 Und wenn du heute eine starke Reaktion zeigst – sei es Wut, Rückzug oder Überforderung:
Kannst du sie nicht bewerten, sondern einfach wahrnehmen?
Vielleicht sagen: „Ah, mein Nervensystem meldet sich gerade.“


Du musst nichts sofort verändern.
Aber du darfst anfangen, neugierig zu werden.
Was in dir passiert, hat Gründe –
und du darfst lernen, dich selbst besser zu verstehen.

Was in dir reagiert, hat einen guten Grund.
Dein Körper, dein Nervensystem – sie haben dich durch vieles getragen.
Vielleicht ist heute ein Moment, in dem du ihnen wirklich zuhören magst.

Nicht, um etwas sofort zu ändern.
Sondern um zu verstehen.
Und daraus leise, friedlich, neue Wege zu finden.

Wenn du dir dabei Begleitung wünschst,
schau dir gern den Familienfrieden-Minikurs an.
Ein stiller Raum für dich.
Zum Nachspüren.
Zum Loslassen.
Zum Wiederankommen.


Dein Nervensystem darf neue Erfahrungen machen.

Was du heute fühlst, muss nicht für immer so bleiben.
Mit jedem stillen Schritt zu dir selbst
kann Heilung beginnen.

Von Herzen,
Antoinette